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XaaS: Everything-as-a-Service als zukunftsfähiges Business-Modell?

28.07.21 08:00 / von David Lauchenauer

David Lauchenauer

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Im Zuge der Digitalisierung bieten Technologie-Unternehmen ihre Produkte zunehmend als Dienstleistungen an. Vor allem technologie-hungrige Anwendungen, Infrastruktur oder Storage werden in diesem Zuge in der Cloud zur Verfügung gestellt. Der Trend geht zum Mieten statt kaufen, denn Abo-Modelle bieten Vorteile für Kunden und Anbieter gleichermassen. Diese Entwicklung beschränkt sich jedoch nicht nur auf die IT-Branche. So avancieren auch immer mehr Produkt-Hersteller bzw. Händler zu Technologie-Unternehmen, indem sie die „as-a-Service“-Chance für ihren Markt begreifen.   

Definition: Was ist XaaS? 

XaaS ist ein genereller Sammelbegriff für das Business-Modell Everything-as-a-Service und insbesondere aus der IT-Branche bekannt. Das „X“ ist dabei als Platzhalter zu verstehen. Der Gedanke hinter dieser Idee besteht grundsätzlich darin, dem Kunden die Produkte nicht zu verkaufen, sondern sie als Service für die Nutzungsdauer zur Verfügung zu stellen. Bei IT-Modellen erfolgt der Zugriff auf Dienstleistungen online über die Cloud und wird nicht auf On-Premise-Umgebungen betrieben. XaaS ist somit ein zentraler Bestandteil des Cloud-Computing. Darunter wird die Bereitstellung von IT-Infrastrukturen und -Dienstleistungen über das Internet, also die Cloud, verstanden. Die Vorteile von Cloud-Computing liegen vor allem in der Einsparung von Anschaffungskosten, planbaren Aufwendungen, einer verbesserten Liquidität sowie der Verlagerung von Betrieb und Eigentumsrisiken vom Kunden auf den Anbieter. Gezahlt werden müssen nur die Dienste, die tatsächlich genutzt werden. Typische Beispiele für XaaS-Geschäftsmodelle sind Software-as-a-Service (SaaS), Platform-as-a-Service (PaaS) und Infrastructure-as-a-Service (IaaS). Neuere Angebote wie Desktop-as-a-Service oder Security-as-a-service sind noch in der Etablierungsphase. 

XaaS-Business-Modelle ausserhalb der IT-Branche 

Everything-as-a-Service-Modelle beschränken sich nicht nur auf die Bereitstellung von Technologie-Diensten. Neben Software oder Servern etablieren sich Geschäftsmodelle, die andere Produkte und Dienstleistungen „as a Service“ anbieten. Zum Beispiel Furniture-as-a-Service. Darunter versteht man die Bereitstellung von Möbeln für einen gewissen Nutzungszeitraum, während der Anbieter Eigentümer der Produkte bleibt. Das Modell verspricht eine flexible, moderne Ausstattung, die sich nach den momentanen Bedürfnissen der Kunden richtet. Gebrauchte, nicht mehr benötigte Möbel können ganz einfach zurückgegeben werden. Workplace-as-a-Service geht hier noch einen Schritt weiter, denn gesamte Arbeitsplätze inklusive IT-Infrastruktur können hiermit angemietet werden; z.B. im Co-Working-Space oder als voll-eingerichtete, mobile Container. Im Dienstleistungsbereich lässt sich ein vergleichbarer Trend feststellen. So setzen immer mehr Unternehmen auf Marketing „on Demand“, also Marketing-as-a-Service. Auch dabei entscheidet der Kunde, wann und wie viel Leistung er erhalten möchte. Anhand von definierten Parametern können Unternehmen ganze Marketingabteilungen kurzfristig für einen gewissen Zeitraum dazukaufen, um einige Kampagnen oder Projekte umzusetzen. Überraschend ist in diesem Zuge nicht, dass ebenfalls ganze IT-Abteilungen „as-a-Service“ gemietet werden können. 

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Vorteile von XaaS-Geschäftsmodellen für Unternehmen 

Die Digitalisierung ist ungebremst in vollem Gange. Wesentlicher Treiber dabei ist die Cloud. Sie bietet Unternehmen vor allem eines: Flexibilität. Besonders in den letzten Monaten hat sich gezeigt, dass Unternehmen, die frühzeitig auf Cloud-Services gesetzt haben, resilienter auf neue Herausforderungen reagieren konnten. Vor allem die Nachfrage von On-Premise Software geht zurück, denn bei KMU sind die Vorteile von Software-as-a-Service (SaaS) längst bekannt. Die Nutzung ist global über jedes internetfähige Gerät möglich und nicht an einen lokalen Server oder Rechner gebunden. Es entfallen Anschaffungs- sowie Wartungskosten und auf sich verändernde Marktanforderungen kann schnell reagiert werden. Der Wert eines Produktes liegt für KMU nicht im Besitz, sondern in der Nutzung. Anwendungen mit kritischen Unternehmensdaten wie ERP werden somit ebenfalls vermehrt ausgelagert, denn durch die Abgabe an ein professionell gemanagtes Rechenzentrum kann die IT-Sicherheit sogar verbessert werden. Da die IT sich nicht mehr um den Betrieb des Cloud ERPs kümmern muss, können die Ressourcen wertschöpfend eingebracht werden; z.B. zur Entwicklung kreativer Geschäftsmodelle.  

Eine Studie von Deloitte zeigte, dass für Unternehmen, die bis zu 25 % ihrer IT als XaaS-Lösungen nutzen, Kosteneinsparungen von ca. 32 % möglich sind. Beträgt der Anteil mehr als 75 % an der Unternehmens-IT, belaufen sich die Kosteneinsparungen auf durchschnittlich 67 %.  XaaS-Business-Modelle bieten Anbietern zudem eine planbare Einnahmequelle und intensive Einblicke in die Nutzungsdaten der Kunden. Bei steigender Nachfrage bieten XaaS-Dienste die Möglichkeit, angefragte Ressourcen einfach zu skalieren und den Umsatz so signifikant zu steigern.  

So gelingt die Umstellung auf ein XaaS-Geschäftsmodell 

Viele Unternehmen folgen bereits dieser Marktentwicklung und bieten Nutzungsrechte an ihren Produkten als Serviceleistung an. Bei einer Umstellung auf ein XaaS-Geschäftsmodell ergeben sich allerdings eine Reihe neuer Anforderungen an Unternehmen. Diese flexiblen Geschäftsmodelle richten sich an den Bedürfnissen der Kunden aus, während traditionelle Unternehmen eher produktorientiert agieren. Die Wertschöpfungsketten in flexiblen Geschäftsmodellen sind dabei durchgängig miteinander verknüpft und nicht sequenziell. Eine strikte Trennung von unterschiedlichen Teams, die an unterschiedlichen Punkten für den Kunden zuständig sind, entfällt.  

Das Betriebsmodell von Unternehmen, die sich dafür entscheiden, XaaS-Lösungen anzubieten, muss daher eine geeignete Zusammenarbeit gewährleisten. Die Betriebsabläufe müssen auf Besonderheiten wie die wiederkehrende Abrechnung und Umsatzrealisierung angepasst werden. Zudem ist es erforderlich, Kundenverträge kontinuierlich zu erneuern und zu erweitern, um eine lange Kundenbindung zu gewährleisten. Die Unternehmenssoftware muss ausserdem darauf ausgelegt sein, zum Beispiel verschiedene Finanzierungstechniken erfassen zu können. Dazu benötigt es ein flexibles ERP, das auf diese Bedürfnisse ausgelegt ist. Aber nicht nur für die IT bedeutet eine Veränderung des Geschäftsmodells einen Paradigmenwechsel. Laut Einschätzung von Experten sind 65 % der operativen Fähigkeiten eines Unternehmens von einer Umstellung auf ein serviceorientiertes Geschäftsmodell betroffen. Bei einer optimalen Anpassung des Geschäftsmodells können XaaS-Modelle aber zu einem echten Wachstumstreiber für das Unternehmen avancieren.  

Um den geänderten Wünschen und Anforderungen der Kunden zu entsprechen, kann eine Umstellung auf ein XaaS-Geschäftsmodell für Unternehmen sehr rentabel sein. Die Anforderungen unterscheiden sich jedoch deutlich von traditionellen Unternehmen. Operative Fähigkeiten, Prozesse und Software müssen an das neue Geschäftsmodell angepasst werden. Aufgrund zunehmender Bandbreite kann XaaS mittlerweile gut in die Abläufe verschiedenster Unternehmen integriert werden. Bei erfolgreicher Implementierung garantiert dies ein hohes Mass an Flexibilität und die Möglichkeit, Umsätze zu steigern. As-a-Service-Modelle werden in Zukunft noch weiter an Bedeutung gewinnen und bieten Unternehmen eine Möglichkeit, sich zukunftsorientiert an den Anforderungen der Kunden zu auszurichten.  

Kategorien: myfactory Software Schweiz AG, Cloud, ERP, KMU, Digitalisierung, Geschäftsprozesse, Cloud ERP

Über den Autor

David Lauchenauer

David Lauchenauer

David Lauchenauer (*1963) ist seit 1988 als Unternehmer im Bereich Business Software für KMU tätig. Seit 2008 ist er in der Schweiz Geschäftsführer und VR der myfactory Software Schweiz AG und startete 2009 mit myfactory das professionelle Cloud ERP für den Schweizer KMU-Markt, weshalb er über sehr umfassende Praxiserfahrungen mit Cloud-Computing verfügt. Seit 2016 ist David Lauchenauer auch Geschäftsführer und Gesellschafter der myfactory Gruppe.

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