Wieder mal über Business Process Reengineering nachgedacht?

von David Lauchenauer am 22.09.2021, 2 min Lesezeit

Wer hätte noch vor Kurzem gedacht, dass Home-Office einmal ganz normal ist? Oder dass Video-Telefonie eine Selbstverständlichkeit wird? Der digitale Wandel ist längst nicht mehr abstrakt, sondern verändert LebensgewohnheitenArbeitsplätze und Märkte. Trotzdem verharren noch viele KMU in der Prozessstarre der Vergangenheit. Rund die Hälfte aller Schweizer Unternehmen ist ohne digitale Strategie unterwegs, so eine aktuelle Umfrage der Fachhochschule Nordwestschweiz. Machen Sie es besser! Hier finden Sie Anregungen für das Business Re-Engineering Ihres Geschäftsmodells und Arbeitsprozesse. 

Fokus auf die wirklich wichtigen Geschäftsprozesse 

Spätestens bei der Einführung eines ERP-Systems muss man sich über die vorhandenen und angestrebten Unternehmensprozesse Gedanken machen. Die Analyse von Arbeitsabläufen und Geschäftsmodell liefert die Basis für die Systemparametrierung. Um sich nicht im Aufgabendetails zu verlieren, richtet sich der Fokus auf die wirklich wichtigen Geschäftsprozesse. Das Pareto-Prinzip gilt auch hier: 20 % der Prozesse sind für 80 % des Unternehmenserfolgs ausschlaggebend. Kennen Sie Ihre wichtigsten Prozesse? Wann haben Sie diese zum letzten Mal auf den Prüfstand gestellt? 

 

Kundenzentrierte Denk- und Sichtweise als Grundlage 

Wenn Sie Ihre Prozesse schon röntgen, sollten Sie diese gleich auf das wohl wichtigste Kriterium im künftigen Wettbewerb untersuchen: Kundenzentrierung. Die Digitalisierung verändert die Marktsituation, so dass auch kleinere Unternehmen in der Lage sind den Grossen der Branche die Stirn zu bieten. Wenn nicht mehr Marktmacht oder Mitarbeiterzahl entscheiden, was dann? Konkurrenzfähig ist bereits heute, wer den Kunden den grössten Mehrwert bietet. Das kann über den Preis gehen, aber auch durch Kleinserien, Qualität, Lieferzeit, Ökologie, Regionalität und vieles mehr entschieden werden.  

 

Konzentration auf die Kernkompetenzen des Unternehmens 

Warum soll jemand bei Ihnen einkaufen? Wofür steht Ihr Unternehmen? Was können Sie besser als die (globale) Konkurrenz? Je konzentrierter Sie die Power Ihrer Ressourcen auf den Punkt bringen, desto grösser ist die Wirksamkeit. Viele Unternehmen verzetteln sich im Laufe der Zeit. Beim Business Process Reengineering geht es darum, sich wieder auf die Kernkompetenzen zu besinnen und sich von Altlasten zu trennen. Auf diese Weise verschlanken Sie automatisch Ihre Prozesse und entwickeln sich zu einem modernen, agilen Unternehmen. 

 

Moderne Informationstechnologie zur Prozessunterstützung 

Den mit Abstand grössten Impuls für ein Reengineering von Prozessen liefert die Digitalisierung. Modernes E-Commerce Plattformen und integrierte Systeme ist nur ein Beispiel, wie sich der digitale Wandel auf den Handel auswirkt. Manche Maschinenbauer überlegen sich, anstatt des Anlagenverkaufs zu nutzenbasierten Geschäftsmodellen oder zum Verkauf von Leistungen überzugehen. Möglich machen es vernetzte Systeme, intelligente Maschinen, künstliche Intelligenz oder Cloud-Services. Das Spektrum ist gewaltig und in voller Bewegung. Auch Ihre Prozesse werden früher oder später damit konfrontiert. 

 

Das 4R-Prinzip des Business Process Reengineering 

Als Faustregel haben sich die 4 Rs (Renewing, Revitalizing, Reframing und Restructuring) beim Business Process Reengineering bewährt.  

 

1. Renewing  

Durch die Erneuerung bestehender Ressourcen, Fähigkeiten, Strukturen und Prozessen machen Sie Ihr Unternehmen fit für die Veränderungen von heute und morgen. Digitale Transformation bedeutet auch Wandel – persönlich für die Mitarbeitenden über die Prozesse bis hin zum Kulturwandel des Unternehmens. 

 

2. Revitalizing 

Viele Tugenden aus den Anfängen eines Unternehmens – Innovation, Frische, Motivation, unkonventionelle Methoden, schlanke Prozesse – gehen mit der Zeit verloren. Reengineering bedeutet Wiederbelebung von positiven Eigenschaften. Eine kritische Aussensicht durch Dritte kann dabei eine wertvolle Hilfe sein. 

 

3. Reframing 

Aus der Psychologie kennt man das Framing bzw. Reframing. Damit sind vorhandene Einstellungen und Sichtweisen gemeint sowie die Fähigkeit, neue Denkmuster zu adaptieren. Innovation statt Resignation wäre so ein Beispiel. Gehen Sie neue Wege und denken Sie in Varianten! Das Entscheidende liegt immer im Wandel des Denkens. 

 

4. Restructuring  

In den 1990er-Jahren gehörte Kodak noch zu den fünf wertvollsten Marken der Welt und beschäftigte 145'000 Mitarbeitende. Der Trend zur digitalen Fotografie wurde komplett verschlafen. Eine rechtzeitige Restrukturierung und Neugestaltung des Portfolios hätte den Untergang verhindert. Machen Sie es besser und bleiben Sie wachsam!   

 

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David Lauchenauer
Über die Autorin:
David Lauchenauer
David Lauchenauer (*1963) ist seit 1988 als Unternehmer im Bereich Business Software für KMU tätig. Seit 2008 ist er in der Schweiz Geschäftsführer und VR der myfactory Software Schweiz AG und startete 2009 mit myfactory das professionelle Cloud ERP für den Schweizer KMU-Markt, weshalb er über sehr umfassende Praxiserfahrungen mit Cloud-Computing verfügt. Seit 2016 ist David Lauchenauer auch Geschäftsführer und Gesellschafter der myfactory Gruppe.