ERP – Gut gerüstet für den internationalen Handel

von Sandra Bültermann, Autorin am 19.01.2022, 2 min Lesezeit

KMU agieren heute internationaler denn je. Digitalisierung und Globalisierung sei Dank. Im eCommerce sorgen Suchmaschinen und Online-Marktplätze dafür, Kunden weltweit anzusprechen. Oftmals bemerken Online-Shopper gar nicht, in welchem Land Händler ihren Sitz haben. Doch welche Voraussetzungen müssen eigentlich erfüllt sein, damit Schweizer Unternehmen auf dem internationalen Parkett eine gute Figur machen? Und wie setzt man die erforderlichen Massnahmen effizient und erfolgreich um? Dieser Beitrag liefert die Antworten.  

Anforderungen an internationalen Handel 

Wer das Ausland erobern möchte, muss sich auf internationale Kunden einstellen. Das fängt bei einer mehrsprachigen Website und einem mehrsprachigen Online-Shop an. Deutsch und Englisch sind unerlässlich, weitere Sprachen je nach Schwerpunktländern empfehlenswert. Es geht weiter mit den Preisangaben, die in der Landeswährung des Käufers angezeigt werden müssen. Überhaupt müssen Kosten transparent sein – inklusive der landesspezifischen Zölle und Versandkosten. Stellen Sie sicher, dass Lieferungen so schnell wie möglich erfolgen. Und berücksichtigen Sie länderspezifische Besonderheiten. So vertraut der französische Kunde gerne Empfehlungen, während der deutsche sich lieber auf Zertifikate und Gütesiegel verlässt. Und chinesische Online-Käufer legen beispielsweise grösseren Wert auf ausführlichere Artikelbeschreibungen als europäische. Auch bei den Zahlungsvorlieben gibt es Unterschiede. So bezahlt die Mehrheit der Schweizer ihre Online-Käufe am liebsten per PayPal. Dieser Dienst ist in Österreich jedoch weniger verbreitet. Und in China kommen Sie nicht um mobile Payment-Apps wie WeChatPay  oder AliPay herum.  

Mit dem ERP internationale Märkte erobern 

Um über Landesgrenzen hinweg agieren und Waren effektiv und effizient global vermarkten zu können, braucht es digitalisierte, automatisierte Prozesse, wie sie moderne ERP-Systeme gewährleisten. Damit beherrschen Sie die wachsende Komplexität der Internationalisierung bei gleichzeitiger Minimierung der Kosten. Wer neue Märkte anvisiert, braucht eine Business-Lösung, die folgende Kriterien erfüllt: 

Multilingual: Grundvoraussetzung für den internationalen Handel ist ein mehrsprachiges ERP-System. Damit lässt sich sowohl die Benutzeroberfläche von den ERP-Nutzern in ihrer bevorzugten Sprache einstellen als auch Webshop und Website. Idealerweise generiert die Anwendung Dokumente wie Angebote und Rechnungen ebenfalls in der jeweiligen Landessprache. Übersetzungs- und Product Information Management (PIM) gewährleisten zudem, für Artikelbeschreibungen Sprachvarianten desselben Textes zentral vorzuhalten.  

 Abbildung mehrerer Währungen: Das ERP-System sollte überall dort Landeswährungen beherrschen, wo es drauf ankommt. Das gilt für den Shop ebenso wie für internationale Preislisten, betriebswirtschaftliche Auswertungen oder bei Bedarf für die Abbildung von Bankkonten. Auch landesspezifische Zölle, Mehrwertsteuer- oder Umsatzsteuervorgaben müssen berücksichtigt und korrekt dargestellt werden.  

Zentrale Datenhaltung: Je mehr Märkte Sie abdecken, umso mehr Kunden, Artikel und Bestellungen haben Sie zu jonglieren. Das führt womöglich dazu, dass Sie statt einem grossen mehrere kleine Lager an verschiedenen Standorten betreiben. Voraussetzung, um jederzeit den Überblick zu behalten, ist eine zentrale Datenhaltung. Ein Cloud-ERP gewährleistet, dass Informationen zu Beständen, Verfügbarkeiten und Lagerorten absolut transparent vorliegen. So lassen sich Umlagerungen oder zentrale Warenbestellungen problemlos realisieren und – was für die Zufriedenheit Ihrer Kunden besonders bedeutsam ist – Überverkäufe verhindern. An dieser Stelle ist wichtig, dass je nach Land unterschiedliche Gewichts- und Längeneinheiten berücksichtigt werden können. Amerikaner und Briten verwenden beispielsweise das Längenmass Inch.   

Skalierbarkeit: Mit dem Expandieren wächst in der Regel auch die Mitarbeiterzahl. Cloud-Anwendungen bieten hier den grossen Vorteil, dass sie problemlos mitwachsen können. Betreiben Sie im Ausland Niederlassungen oder Tochterfirmen, sollte das ERP-System zudem mandantenfähig sein, um die örtliche Steuerkonformität zu gewährleisten.  

Logistik: ERP-Systeme punkten beim internationalen Handel besonders durch die Effizienz der logistischen Prozesse. Mit Eingang einer Bestellung schieben sie vollautomatisiert die weiteren Workflows an: von der Erstellung der Pickliste und Versandpapiere über die Beauftragung von Fulfillment-Dienstleistern bis hin zur Rechnungsstellung und dem Versand von Trackinginformationen an Kunden. Wer etwa Ersatzteile nach Afrika oder Maschinenbauelemente nach China liefert, muss sich zudem im Vorfeld mit Exportrichtlinien auseinander setzen. Embargos regeln sowohl die Ein- und Ausfuhr von Gütern, als auch den Zahlungsverkehr, Dienstleistungen oder Abschlüsse und Erfüllungen von Verträgen. Das ERP-System muss entsprechende Vorgaben verarbeiten können.  

Zahlungsarten: Um den unterschiedlichen Kundenanforderungen gerecht zu werden, unterstützen ERP-System eine Reihe gängiger, internationaler Zahlungsarten. So entscheiden Kunden selbst, ob sie per Lastschrift, Visa, Master Card, Überweisung, PayPal oder iPayment. 

Fazit 

Für KMU, die ihre Aktivitäten über die Landesgrenze ausweiten wollen, ist ein modernes Cloud-ERP nicht Kür, sondern Pflicht. Es meistert die Herausforderungen, die verschiedene Standorte, Sprachen, Gesetze, Zollbestimmungen und andere Vorgaben mit sich bringen, mit Bravour. Es gewährleistet flüssige, grenzübergreifende Prozesse und fördert dadurch schnellere Bearbeitungszeiten – was wiederum die Senkung von Kosten sowie kürzere Reaktionszeiten verspricht. Das gilt übrigens nicht ausschliesslich für Handelsunternehmen, sondern gleichermassen für Fertigung- und Handwerksbetriebe. 

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Sandra Bültermann (*1975) ist seit 1999 als Technische Redakteurin tätig. Als langjährige Mitarbeiterin bei Fachzeitschriften, Agenturen und Softwareunternehmen verfügt sie über umfassende Kenntnisse in den Bereichen IT, Kommunikation und Contentmanagement. Ihre Kernkompetenz liegt darin, komplexe, technische Themen verständlich und zielgruppenorientiert aufzubereiten.