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Effektive Lagerhaltung im E-Commerce

22.12.15 09:00 / von André Rühle

André Rühle

Effektive Lagerhaltung im E-Commerce

Die Lagerhaltung nimmt in mehrfacher Hinsicht Einfluss auf den Erfolg von E-Commerce-Portalen. Sie ist zunächst für die optimale Verfügbarkeit von Artikeln verantwortlich und sorgt dafür, dass Lieferungen zügig erfolgen können. Auf der anderen Seite verursacht sie unvermeidbar Kosten. Die Herausforderung besteht nun darin, Mittelbindung und Lagerkosten gering zu halten, aber dennoch eine gute Artikelverfügbarkeit zu gewährleisten. Dieser Artikel zeigt auf, wie eine effektive Lagerhaltung im E-Commerce-Umfeld realisiert werden kann und welche Rolle ERP-Systeme hierbei spielen.

Optimale Bestände

Ein Umstand, der in jedem Falle vermieden werden sollte, ist, dass Kunden eines e-Shops mit Statusmeldungen wie „Artikel aktuell nicht verfügbar“ oder „Lieferzeit 2 Wochen“ konfrontiert werden. Ist dies der Fall, sinken Verkaufszahlen stark ab. Zu hohe Bestände sind jedoch ebenfalls nicht das Ziel, da sie ein hohes Lagervolumen benötigen und zu einer unnötigen Kapitalbindung führen. Der Lageroptimierung muss daher eine professionelle Disposition vorausgehen. ERP-Systeme unterstützen gängige Dispositionsverfahren. Unter der Berücksichtigung von Verbrauchs- oder Bedarfsdaten können Parameter wie Mindestbestand, Melde- und Höchstbestand automatisiert berechnet werden. Je nach Konfiguration erstellen ERP-Lösungen beim Unterschreiten bestimmter Signalgrenzen automatisch Bestellvorschläge. Der Anwender wird sowohl bei der Berechnung des optimalen Bestands als auch bei der Disposition unterstützt.

Lagerlogistik: die Wahl der richtigen Herangehensweise

Je grösser das Sortiment eines E-Commerce-Portals wird, desto bedeutender wird die Anwendung einer professionellen Lagerlogistik. Für den Betreiber ist es zunächst wichtig, dass er sich jederzeit über aktuelle Bestände sowie geplante Zu- und Abgänge informieren kann. Innerhalb des Lagers müssen Artikel schnell auffindbar sein, sodass eine effiziente Kommissionierung gewährleistet ist. Auch der Wareneingangsprozess sollte dahin gehend gestaltet werden, dass eingetroffene Artikel möglichst zeitnah verbucht und eingelagert werden können.

In der Praxis sind zwei Lagersystematiken etabliert: das Festplatzsystem und die chaotische Lagerhaltung. Bei der festen Zuordnung von Lagerplätzen sind Regale eindeutig beschriftet. Jeder Artikel hat einen definierten Ort. Es ist klar, wo Einlagerungen und Entnahmen stattfinden müssen. Viele ERP-Systeme unterstützen die Vergabe von Lagerplätzen. Diese Systematik hat jedoch auch Nachteile, insbesondere, wenn es sich um grössere Lagervolumina handelt. Freie Kapazitäten lassen sich nicht optimal nutzen. Wege beim Einlagern und Kommissionieren sind gegebenenfalls unnötig lang. An dieser Stelle kommt die chaotische Lagerhaltung ins Spiel. Die Lagerorganisation erfolgt bei dieser Variante IT-gestützt. Beim Wareneingang legt das System fest, an welcher Stelle Ware eingelagert werden soll. Bei der Wahl des geeigneten Lagerplatzes stehen Entfernung und Umschlagshäufigkeit im Vordergrund. Für die spätere Auffindbarkeit von Artikeln werden diese mit Funkchips (meist RFID-Technologie) ausgestattet.

Lagerhaltung mit ERP-Systemen: Vorteile im E-Commerce

Shop-Software und Warenwirtschaft müssen harmonieren, damit Logistikprozesse reibungslos ablaufen können. Zwar bieten einige Shop-Lösungen integrierte Warenwirtschaftsfunktionen an, die Grenzen der Leistungsfähigkeit sind in der Praxis jedoch schnell erreicht. Häufig fehlen wichtige Funktionen und tiefgreifende Integrationen in angrenzende Prozessfelder. ERP-Lösungen hingegen unterstützen die Lagerhaltung mit Features wie der Lagerplatzverwaltung, einer (teil)automatisierten Disposition, rechtssicherer Inventurverfahren oder gar der Option einer chaotischen Lagerhaltung. Die bewerteten Bestände fliessen zudem nahtlos in die Finanzbuchhaltung und somit in die Bilanzierung ein. Auch die zur Verfügung stehenden Reportings sind in den meisten Fällen denen von Online-Shops überlegen.

Shop-Software wird gerne über Schnittstellen an ERP-Lösungen angeschlossen. Bestände, Stammdaten und Belege werden damit zwar synchronisiert, die volle Leistungsfähigkeit beider Tools kann sich häufig dennoch nicht entfalten. Es entstehen Zeitverzögerungen, die bereits in geringem Ausmass Einfluss auf die weiteren Abläufe nehmen können. Das beste Beispiel sind hier Verkäufe, die nicht umgehend in der Lagerwirtschaft registriert werden, und somit zu falschen Bestandsauskünften gegenüber Kunden führen.

Es existieren jedoch auch wenige Ausnahmen, die bestätigen, dass es ohne Patchwork geht. Einzelne ERP-Anbieter liefern Komplettlösungen und haben leistungsfähige Shop-Software für B2B und B2C in ihre Systeme integriert. Die Vorteile einer solchen e-Commerce-Lösung, die ohne Systembrüche mit sämtlichen Daten und internen Logistikprozessen korrespondiert, liegen auf der Hand. Lagerbestände werden live dargestellt, Belege ohne Zeitverzug erzeugt. Verkäufe über den Shop reduzieren den Bestand im Lager-Modul sofort. Lieferscheine und Kommissionspapiere werden automatisch erstellt, wobei individuelle Versandmethoden pro Kunde anwendbar sind. Die Rechnung wird der Sendung bei Bedarf direkt beigelegt. Kundenspezifische Preisgestaltungen aus den Stammdaten und unterschiedliche Währungen können berücksichtigt werden. Abschliessend erfolgt eine Paketanmeldung beim Versanddienstleister - im Optimalfall via Schnittstelle. Der Kunde wird per Mail über den aktuellen Status seiner Bestellung informiert .

Im Hinblick auf die Frage „Schnittstelle oder Komplettlösung“ ist die individuelle Situation ausschlaggebend. Arbeitet ein Unternehmen seit Jahren mit einer Shop-Lösung und ist damit zufrieden, bietet sich die Anbindung einer leistungsstarken ERP-Lagerhaltung an. Neueinsteigern oder Umstiegswilligen hingegen sei aufgrund der zahlreichen Vorteile ein Blick auf eine vollintegrierte Lösung empfohlen. 

Erfolgsfaktor ERP & E-Shop - 12 Tipps vom Experten: mit E-Commerce zum Erfolg

 

Kategorien: SaaS, Allgemein, Einkauf, Cloud, ERP

Über den Autor

André Rühle

André Rühle

André Rühle ist seit 2012 Projektleiter e-commerce bei myfactory Software Schweiz AG. Seit dem Jahr 2000 beschäftigt er sich aktiv mit der Entwicklung von Onlineshops, zunächst im Agenturumfeld in Deutschland. André Rühle verfügt über langjährige Erfahrungen bei der Implementierung von B2C und B2B Shops mit verschiedenen Shopsystemen (myfactory, PrestaShop, ePages, Magento, Intershop, osCommerce).

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