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Dropshipping – Das versteckt sich hinter dem E-Commerce Buzzword

01.03.17 08:51 / von David Lauchenauer

David Lauchenauer

Dropshipping: das versteckt sich hinter dem E-Commerce Buzzword

Bereits seit einigen Jahren taucht der Begriff Dropshipping im E-Commerce immer wieder auf. Das aus dem Amerikanischen eingeführte Buzzword beschreibt dabei eine geläufige Praxis, nämlich das Streckengeschäft bzw. den Direkthandel. Hierbei handelt es sich in erster Linie um eine besondere Form der Warendistribution, bei der ein Glied in der Lieferkette übersprungen wird. Was hauptsächlich beim Handel mit Massengütern wie Baustoffen vorzufinden war, ist zuletzt auch vermehrt beim B2C-Onlinehandel zu beobachten. Wie Dropshipping im E-Commerce funktioniert und welche Chancen sich hier für KMU ergeben, zeigt dieser Artikel.

So funktioniert das Streckengeschäft im Onlinehandel

Erfolgt eine Warenbestellung in einem Internetshop, werden verschiedene Schritte ausgeführt: die Bestellung wird zuerst ins Lager zur Kommissionierung überführt, für den Versand vorbereitet, einem Logistiker übergeben und letztlich fakturiert. Wenn nicht direkt auf Vorkasse über einen Payment-Provider abgerechnet wurde, so muss der Zahlungseingang buchhalterisch erfasst werden. Durch Distribution über das Streckengeschäft kann hierbei auf die eigene Kommissionierung und die Logistik verzichtet werden, die bestellten Waren werden direkt vom Hersteller bzw. vom Grosshändler aus im Namen des Onlineshops verschickt. Da oftmals gebrandete oder zumindest neutrale Verpackungen eingesetzt werden und die Adresse des Onlineshops aufgedruckt wird, tritt der eigentliche Lieferant in den Hintergrund; der Versand erfolgt nach aussen hin direkt vom Internethändler. Hierbei muss sich dieser nur noch um die Produktpräsentation sowie die Fakturierung kümmern, die restlichen Schritte erledigt der Grosshändler als Logistik-Dienstleistung. Unbedingt abzugrenzen ist diese Distributionsform von Kommissionsgeschäften, denn der Internet-Retailer wird beim Streckengeschäft tatsächlich Eigentümer der Ware, auch wenn er nie physisch mit dieser in Kontakt kommt.

Analog den regulären Handelsbeziehungen zwischen dem Wiederverkäufer und dem Lieferanten folgend, finden auch beim Streckengeschäft die vereinbarten Konditionen und Einkaufsbedingungen Anwendung. Die Differenz zwischen dem Verkaufspreis an den Endkunden und den Einkaufspreis beim Grosshändler ist die Marge des Onlineshops, von der noch die Aufwände für den Versand sowie der logistische Aufwand für die Bestellabwicklung abgezogen werden müssen. Retouren werden im Regelfall direkt über den Wiederverkäufer zurückabgewickelt, nur in Ausnahmefällen bietet dies auch der Grosshändler an, der die Ware verschickt hat.

Chancen und Risiken für KMU durch Dropshipping

Durch das Streckengeschäft ergeben sich einige klare Vorteile, von denen vor allem der geringere Eigenkapitalbedarf und eine verringerte Kapitalbindung durch eine kleinere Lagerhaltung zu nennen sind. So bietet Dropshipping die Möglichkeit das Kern-Sortiment, welches aus einem eigenen Lager bedient wird, schnell durch eine Vielzahl weiterer Neben- und Cross-Selling-Produkte zu erweitern. Durch die gesteigerte Sortimentstiefe ist eine Skalierung sowie die Erschliessung weiterer Marktanteile möglich. Gleichermassen können eigene Kosten für die Lagerhaltung und Logistik reduziert werden. Die Internationalisierung einer E-Commerce Plattform kann durch das Streckengeschäft schneller erfolgen, da kein eigenes Lager mehr lokal im Zielland betrieben werden muss. Dies lässt Testballons bei überschaubaren Kosten zu und kann daher auch ein strategisches Mittel sein.

Der grösste Vorteil beim Dropshipping birgt jedoch auch die meisten Risiken für KMU, denn wenn ein essenzieller Teil der Supply-Chain ausser Hand gegeben wird, so kann der Onlineshop keinen Einfluss mehr auf den Versandweg und die Produkte nehmen. Das führt unweigerlich zu Kundenreklamationen, wenn beispielsweise die Qualität der Produkte, die Verpackung oder die Dauer der Lieferung stark von der gewohnten Norm abweichen. In diesen Fällen werden die Mitarbeiter im Kunden-Service besonders kulant sein müssen, um dies auszugleichen, was wiederum bei der Preiskalkulation Beachtung finden muss.

Einhergehend mit diesem Kontrollverlust begibt sich der Online-Retailer in ein Abhängigkeitsverhältnis vom Grosshändler hinsichtlich der verfügbaren Menge sowie der Einkaufspreise. Dies zeigt sich insbesondere dann, wenn der Grosshändler die Preise erhöht oder eine bestellte Ware nicht mehr vorrätig hat. Auch das gesamte Retouren-Management kann sich als aufwendig herausstellen, wenn hierfür keine ordentlichen Geschäftsprozesse etabliert wurden; im schlimmsten Fall sorgen Rückabwicklungen so für einen zweiten Warenbestand beim Händler und damit eine weitere Kapitalbindung.

Integration als Schlüssel zum Erfolg im Onlinehandel

Um das Streckengeschäft effizient einzubinden, sind also vor allem verlässliche Preisinformationen sowie der aktuelle Lagerbestand essenziell; diese Daten sollten automatisiert verarbeitet werden. Bereits bei der Wahl des passenden Grosshändlers ist die Echtzeit-Synchronisierung von Daten daher eine Anforderung, damit später keine bösen Überraschungen auf Sie zukommen.

In der Praxis kommt oftmals eine Middleware zum Einsatz, die die Daten vom Grosshändler in die IT-Systeme des Onlineshops überträgt; aber auch andersherum müssen die Bestellungen ohne Zeitverlust an den Distributor weitergeleitet werden. Kommt hierbei eine heterogene IT-Landschaft mit separatem Onlineshop und ERP-System zum Einsatz, die grundsätzlich eine geringere Integrationstiefe ermöglicht, so stossen diese Unternehmen bei Anbindung einer Middleware für die Integration des Grosshändlers schnell an ihre Grenzen. Stattdessen sollte für ein durchgehendes Streckengeschäft vor allem auf ein voll integriertes ERP-System gesetzt werden, welches nicht nur aus einer zentralen Datenbank die entsprechenden Produkte, Preise und Lagerhaltung vereint, sondern auch eine Automatisierung von bereichs- und unternehmensübergreifenden Prozessen ermöglicht. Insbesondere Cloud ERP mit integrierten E-Shop Modulen ist dafür empfehlenswert, da so eine bereichsübergreifende Automatisierung ohne Stolpersteine ermöglicht wird – und das auch „über die Strecke“ hinweg.

Abschliessend bleibt festzuhalten, dass das Streckengeschäft nicht ohne Grund eine relevante Rolle im E-Commerce spielt, es sollte jedoch als ergänzender Faktor eingesetzt werden. Dabei sind die Herausforderungen hinsichtlich Integration, Automatisierung und Kunden-Service nicht ausser Acht zu lassen. Abhilfe schafft ein leistungsstarkes ERP-System mit integriertem E-Shop Modul und API, um das volle Potenzial auszuschöpfen.

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Kategorien: Allgemein, Cloud, ERP, API, eCommerce

Über den Autor

David Lauchenauer

David Lauchenauer

David Lauchenauer (*1963) ist seit 1988 als Unternehmer im Bereich Business Software für KMU tätig. Seit 2008 ist er in der Schweiz Geschäftsführer und VR der myfactory Software Schweiz AG und startete 2009 mit myfactory das professionelle Cloud ERP für den Schweizer KMU-Markt, weshalb er über sehr umfassende Praxiserfahrungen mit Cloud-Computing verfügt. Seit 2016 ist David Lauchenauer auch Co-Geschäftsführer und Gesellschafter der myfactory International GmbH.

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