Anlagenbuchhaltung – kein Buch mit sieben Siegeln

von David Lauchenauer am 08.09.2021, 2 min Lesezeit

Jedes Unternehmen hat Anlagevermögen, vom Einzelunternehmen bis zum Grosskonzern. Denn alles, was zum dauernden Gebrauch eines Unternehmens dient, gehört dazu. Also nicht nur Immobilien oder Maschinen, sondern auch WertpapiereLizenzen und vieles mehr. Verwaltet werden diese Anlagen in einem gesonderten Bereich der Finanzbuchhaltung, der Anlagenbuchhaltung. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen, was eine Anlagenbuchhaltung ist, was genau dort erfasst wird und wie die Abschreibung funktioniert. 

 

Was zählt zum Anlagenvermögen? 

  • Sachanlagen  

Dazu zählen materielle Güter, die mehr als 12 Monate in einem Unternehmen verbleiben sollen. Diese Sachanlagen werden zum Beispiel in der Administration verwendet, zur Bereitstellung von Gütern und Dienstleistungen und natürlich zur Produktion. Als Beispiele seien hier Gebäude,  Grundstücke, Maschinen, Bürogeräte und Fahrzeuge genannt. Da zum Beispiel Maschinen und Fahrzeuge genutzt und auch abgenutzt werden, erfolgt die Wertminderung (Abschreibung) bei diesen regelmässig. Das wird generell in Form von planmässigen Abschreibungen in der Buchhaltung festgehalten. 

  • Finanzanlagen  

Finanzanlagen sind Vermögen, welches langfristig im Unternehmen bleiben sollen. Als Beispiel dienen hier Aktien oder Obligationen. Da insbesondere der Aktienwert grossen Schwankungen unterliegen kann, werden allfällige Wertminderungen als ausserplanmässige Abschreibungen in der Anlagenbuchhaltung aufgeführt. Steigt der Wert jedoch, entstehen auf diese Weise stille Reserven. Auch Darlehen oder Beteiligungen an Tochterunternehmen gelten neben Wertpapieren als Finanzanlagen, sowie auch anderes Geld, das langfristig im Unternehmen bleiben soll. 

  • Immaterielle Anlagen  

Alle Güter, die nicht greifbar sind, zählen zu den immateriellen Anlagen. Dazu gehören zum Beispiel Marken, Patente oder Lizenzen, aber auch Ihr Know-how. Für die Ablage der entsprechenden Unterlagen empfiehlt sich ein Dokumentenmanagement. Hier gilt es, einen monetären Wert für diese Vermögenswerte zu errechnen und in der Anlagenbuchhaltung aufzuführen. Auch diese dürfen abgeschrieben werden, die Wertminderung wird auf die zukünftige Nutzungsdauer ausgerichtet. Ist diese nicht bestimmbar, so erfolgt die Abschreibung über fünf bis maximal 20 Jahre.  

 

Lineare Abschreibungen 

Gebrauchsgegenstände verlieren mit der Zeit an Wert, dies wird in der Buchhaltung mithilfe von Abschreibungen abgebildet.  Dabei wird bei der Aufnahme jeweils entschieden, wie lange diese Sache im Betrieb verbleiben wird. Und die Abschreibung beginnt mit dem Kauf des Gegenstands, nicht etwa mit der Inbetriebnahme. Die Abschreibung erfolgt entweder linear (gleichmässig) oder degressiv (in absteigender Höhe) und wird über die Geschäftsjahre verteilt. Anders sieht es mit der degressiven Abschreibung aus: Das Gesetz sieht vor, dass Sachanlagen jährlich mit einem Abschreibungssatz von maximal 40 % abgeschrieben werden dürfen. Dies führt dann zu einer degressiven Abschreibung.  

 

Direkt und indirekt abschreiben 

Zudem wird noch zwischen direkten und indirekten Abschreibungen unterschieden. Bei der direkten Abschreibung, die wir oben erwähnt haben, wird der Wert jedes Jahr vermindert. Der entsprechende Kontostand wird also kleiner. Bei der indirekten Abschreibung bleibt der Wert bestehen, aber auf der Passivseite der Bilanz wird die Wertberichtigung eingetragen. Wird das Gerät, die Maschine oder das Fahrzeug nach der totalen Abschreibung weiter genutzt, wird dieser in den Geschäftsbüchern weiterhin mit CHF 1 als sogenannter «Erinnerungswert» geführt. Die Abschreibungen werden so oder so in der Erfolgsrechnung als Aufwendung geführt, was zu einem tieferen Gewinn und damit auch tieferen Steuern führt. 

 

Die passende Software ist Gold wert 

Ein modernes ERP mit integrierter Finanzlösung vereinfacht es, eine Anlagenbuchhaltung korrekt zu führen. Wichtig ist dies auch, weil die Vermögenswerte bei einer Rechnungslegung nach gewissen nationalen und internationalen Standards ausgewiesen werden müssen. Zudem dient eine sauber geführte Anlagenbuchhaltung auch als Informationsquelle über den Bestand für die verschiedenen Abteilungen Ihres Unternehmens. Auf jeden Fall ist es wichtig, gerade die Werte des Anlagenvermögens nicht in einer Excel-Tabelle oder einer von Hand ausgefüllten Liste zu führen. Denn wenn es zu einer Revision kommt oder am Ende des Geschäftsjahres die Erfolgsrechnung fällig wird, sind Sie froh, alles sauber in Ihrem ERP-System bzw. Ihrer Finanzsoftware vorfinden zu können.    

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David Lauchenauer
Über die Autorin:
David Lauchenauer
David Lauchenauer (*1963) ist seit 1988 als Unternehmer im Bereich Business Software für KMU tätig. Seit 2008 ist er in der Schweiz Geschäftsführer und VR der myfactory Software Schweiz AG und startete 2009 mit myfactory das professionelle Cloud ERP für den Schweizer KMU-Markt, weshalb er über sehr umfassende Praxiserfahrungen mit Cloud-Computing verfügt. Seit 2016 ist David Lauchenauer auch Geschäftsführer und Gesellschafter der myfactory Gruppe.