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Variantenfertigung mittels moderner ERP-Systeme

[fa icon="calendar"] 06.09.17 09:21 / von Christian Bühlmann

Christian Bühlmann

Variantenfertigung mittels moderner ERP-Systeme Pakete auf einem Conveyor belt

So paradox es tönt: Angesichts der globalen Massenfertigung wird die Berücksichtigung individueller Kundenwünsche immer wichtiger. Käufermärkte bestimmen heute die Marketing- und Vertriebsstrategien fast aller Unternehmen. Konsumenten können aus einer wachsenden Anbieter- und Produktvielfalt auswählen. Entschieden wird der Kauf längst nicht mehr nur über den Preis. Immer mehr werden Individualität, Qualität und Service zum wettbewerbsentscheidenden Faktor. Wer als Hersteller bei der Erfüllung von Kundenwünschen mithalten will, braucht ein variantenreiches Sortiment. Moderne ERP-Systeme sorgen dafür, dass sich Fertigungsunternehmen nicht im Dschungel der Vielfalt verlieren.

Bewältigung komplexer Abhängigkeiten

Wenn in kürzester Zeit die Nachfrage nach roten Bürostühlen mit schwarzen Rollen steigt, gleichzeitig aber die blauen Drehsessel mit verstellbaren Armlehnen zum Ladenhüter werden, muss rasch reagiert werden. So weit so gut. Doch einfach mal so schnell die Produktion von Blau auf Rot umzustellen, ist komplexer als man denkt. Und wenn ein Kunde dann noch genau 1 Stück der grünen Variante will, wird es richtig mühsam. Die Abhängigkeit von vor- und nachgelagerten Prozessen kann bei kurzfristigen Umstellungen zu Problemen bei der Produktionsplanung und der Einhaltung von Lieferterminen führen. Sinkende Stückzahlen erhöhen aufgrund gleichbleibender Fixkosten in der Regel die Fertigungskosten. Oft stellen auch feste, technisch bedingte Losgrössen ein Hindernis dar. Hinzukommt, dass unter Umständen neues Material für die Herstellung beschafft werden muss, während bereits eingekaufte Rohstoffe kapitalbindend am Lager liegen bleiben. Der virtuose Umgang mit Varianten stellt die Fertigung vor beachtliche Schwierigkeiten.

Anforderungen an Zulieferer steigen

Insbesondere Zulieferer müssen sich auf die hohe Variantenzahl ihrer Auftraggeber einstellen. «Losgrösse 1» ist deshalb eines der Hauptanliegen von Industrie 4.0-Konzepten. Durch die Automatisierung von Prozessen und Maschinen soll die Bewältigung von kleinen, individuellen Mengen ermöglicht werden. Vernetzte ERP-Systeme spielen dabei eine zentrale Rolle. Nur wenn das Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage unter Berücksichtigung der Verfügbarkeit von Ressourcen und Material reibungslos klappt, können Varianten effizient produziert und ausgeliefert werden. Die Wertschöpfungskette überschreitet die Unternehmensgrenzen und reicht vom Kunden des Kunden bis zum Lieferanten des Lieferanten. Als Teil dieser Prozesse benötigen Zulieferer eine digitale Strategie, welche sich nahtlos in das Gesamtbild einfügt. Zusätzlich zu den produktionstechnischen Anforderungen sehen sich Zulieferfirmen mit Herausforderungen wie dem Datenaustausch zwischen unternehmensübergreifenden Systemen und der Integration von Mensch und Maschine konfrontiert. Dazu zählt in steigendem Mass die Berücksichtigung der Endkunden. Produziert wird nicht, was grad möglich ist, sondern was die Konsumenten jetzt und hier verlangen.

Planungssicherheit dank Variantengenerator

Als Konsequenz eines von den Kunden beherrschten Marktes resultiert logischerweise eine starke Zunahme von Varianten. Industrieunternehmen begegnen dieser Entwicklung mit der Modularisierung von Produkten und Dienstleistungen, welche sich individuell konfigurieren lassen. Dabei sind systembedingte Abhängigkeiten, z.B. die Kompatibilität von technischen Komponenten wie Stromanschlüssen oder Motoren, zwingend zu berücksichtigen. Variantengeneratoren mit hinterlegten Regelwerken und Plausibilisierungsverfahren, Tabellen, Entscheidungsbäumen, Formeln usw. stellen sicher, dass nur korrekte Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung stehen. In Verbindung mit einem ERP-System können dabei auch dynamische Werte wie aktuelle Lagerbestände oder verfügbare Ressourcen berücksichtigt werden. Komplexe Berechnungen werden teilweise in externe Kalkulationsprogramme wie Microsoft Excel ausgelagert und die Werte anschliessend wieder importiert. Haben Kunden direkten Zugriff auf den Variantengenerator, z.B. in einem Webshop, kann ein wesentlicher Teil des Auftragsprozesses – von der Produktwahl bis zur Bestellerfassung – an die Konsumenten delegiert werden.

Variantenfertigung aus der Cloud

Moderne Unternehmenslösungen aus der Cloud verfügen heute über zahlreiche Funktionen für die Unterstützung der Variantenfertigung. Als webfähige Anwendungen sind sie ortsunabhängig, was sie besonders für Anwender im Aussendienst, im Service, in Filialen und Aussenstellen, aber auch für Kunden attraktiv macht. Die Unmittelbarkeit der Datenerfassung und -verfügbarkeit sorgt dabei für einen essentiellen Zeitgewinn bei der Produktionsplanung und der Materialbeschaffung. Kundenbestellungen können dadurch schneller und effizienter abgewickelt werden. Die Flexibilität bei der Planung und Steuerung von Produktionsaufträgen steigt, während dank der vollen Integration sämtlicher Prozessteile über die Unternehmensgrenzen hinweg gleichzeitig die Komplexität bei der Variantenfertigung sinkt.

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Kategorien: Allgemein, Einkauf, ERP, Datenschnittstelle, Digitalisierung

Christian Bühlmann

Autor: Christian Bühlmann

Christian Bühlmann (*1964) ist seit 1989 im Bereich Business Software tätig. Während dieser Zeit hat er sich als Projekt- und Marketingleiter bei verschiedenen Softwareanbietern umfassende Kenntnisse des Schweizer IT-Markts erworben. Seit 2011 ist er als Chefredaktor eines Fachmagazins für Business Software tätig, publiziert regelmässig Beiträge über aktuelle IT-Themen und ist verantwortlich für den Bereich Publishing der Schweizer Business Software Plattform topsoft.

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