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Hybrid Cloud oder Software as a service? Eine Gegenüberstellung

[fa icon="calendar"] 02.08.17 10:23 / von Christian Bühlmann

Christian Bühlmann

Hybrid Cloud oder Software as a service? Eine Gegenüberstellung

Allein schon sprachgeschichtlich ist der Begriff «Hybrid» äusserst interessant. Bei den alten Griechen stand er für Übermut und Anmassung. Die Römer bezeichneten damit abschätzig ein Mischlingskind. Heute verstehen wir darunter etwas Gebündeltes oder Vermischtes – sei es bei Antriebssystemen von Autos oder beim Betrieb von IT-Umgebungen.

Mischformen haben ihre Tücken

In jüngster Vergangenheit haben vor allem hybride Fahrzeuge von sich reden gemacht. So gibt es inzwischen verschiedene Autos, bei denen sich ein Verbrennungsmotor und ein Elektroaggregat die Arbeit teilen. Neu ist der Ansatz nicht. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts gab es sogenannte Segel-Dampfschiffe. Die Idee, unterschiedliche Ansätze zu kombinieren, ist zwar einigermassen einleuchtend, hat aber ihre Tücken. So musste beim Segel-Dampfer nicht nur das Know-how und die Kohlenvorräte für die Maschinen an Bord sein, sondern ebenso die Ausrüstung und die Spezialisten für den Segelbetrieb. Der aufwändige Betrieb und modernere Technologien sorgten schon bald für das Aus. Hybride Modelle haben eben ihre Tücken.

Internet mit Bodenhaftung

Auch die Informatik bzw. die Cloud kennt hybride Modelle. Dabei werden Internetanwendungen mit lokalen (on-premise) Installationen kombiniert. Gründe für solche Mischformen können regulatorische Vorschriften sein (Banken, Gesundheitswesen) oder auch veraltete Applikationen, welche systemtechnisch nicht webfähig sind. Ähnlich wie bei den Dampfseglern ergibt sich daraus ein nicht unbeträchtlicher Mehraufwand bei der Bereitstellung, beim Unterhalt und beim Support von hybriden IT-Modellen. Das beginnt bereits bei der Evaluation, welche Anwendungen über die Cloud und welche on-premise betrieben werden sollen. Eine weitere Erschwernis ist das Zusammenspiel der verschiedenen «Welten». Damit ist nicht nur das Einrichten von Schnittstellen gemeint, sondern die grundsätzlichen Unterschiede zwischen webbasierten und stationären Betriebsmodellen.

So einfach wie möglich, oder?

Kürzlich antwortete der CEO eines Unternehmens auf die Frage, worauf die erfolgreiche Einführung des ERP-Systems zurückzuführen sei: «Wir haben alles so einfach wie möglich gemacht». Leider erlebt man in der Praxis nur zu oft, dass der Einsatz von IT unnötig verkompliziert wird. Hybrid Clouds machen da keine Ausnahme. Denn hier geht es nicht nur um die IT-Anwendungen im Einzelnen, sondern viel mehr noch um das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Systemen und Daten. Deren «Aufgabenteilung» muss klar definiert und verwaltet werden. Das ist technisch zwar machbar, erfordert aber viel Fachwissen und laufende Überwachung der verschiedenen Systemkomponenten. Eine komplexe Angelegenheit, welche alles andere als einfach zu handhaben ist.

Komplexe Hybrid Clouds

Die Überwachung von Hybrid Clouds erfolgt in der Regel mit speziellen Monitoring Tools. Diese zeigen den aktuellen Status aller Teilsysteme und die Verfügbarkeit der Applikationen an. Bei Problemen müssen die Systemverantwortlichen rasch reagieren, da die Anwendungen – im Sinn einer hybriden Mischform – aufeinander angewiesen sind. Ein weiterer Knackpunkt bei Hybrid Clouds sind die unterschiedlichen Zeitpunkte von Updates und neuen Releases. Diese müssen im laufenden Betrieb eingeplant werden und können zu Unterbrüchen führen. Gleichzeitig muss jedes Mal die Kompatibilität mit den anderen Anwendungen getestet werden. Last but not least, gibt es ja auch noch die IT-Benutzer, welche eine nahtlos durchgängige Systemumgebung wünschen. Wer sich ständig durch mehrere Systeme durchhangeln muss, verliert irgendwann die Lust am Arbeiten.

Umdenken lohnt sich

Wer dachte vor 20 Jahren nicht: Wäre das schön, wenn man die gesamte Software einfach mal aus der Steckdose beziehen könnte! Nutzen statt zu kaufen, zu installieren und laufend zu erneuern. Dank Software as a Service ist das heute längst Realität. Cloud-Services sind gemäss Cloud-Monitor des deutschen IT-Branchenverbandes BITKOM weiter stark auf Wachstumskurs. 2016 nutzten in Deutschland bereits zwei von drei Unternehmen Cloud-Dienste. Ähnlich verhält es sich in der Schweiz. Software as a Service gehört für viele Firmen inzwischen zum IT-Alltag. Vorteile beim Unterhalt und bei den Kosten, aber auch der hohe Qualitätsstandard und das rasch wachsende Angebot sind unschlagbare Pluspunkte. Es mag sein, dass es gewisse Konstellationen gibt, wo eine Hybrid Cloud Sinn macht. In den meisten Fällen lohnt sich jedoch ein Umdenken – weg von der hybriden Segeldampfer-Nostalgie hin zur modernen, digitalen und mobilen Welt von Software as a Service.

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Kategorien: SaaS, Allgemein, Cloud, ERP, KMU

Christian Bühlmann

Autor: Christian Bühlmann

Christian Bühlmann (*1964) ist seit 1989 im Bereich Business Software tätig. Während dieser Zeit hat er sich als Projekt- und Marketingleiter bei verschiedenen Softwareanbietern umfassende Kenntnisse des Schweizer IT-Markts erworben. Seit 2011 ist er als Chefredaktor eines Fachmagazins für Business Software tätig, publiziert regelmässig Beiträge über aktuelle IT-Themen und ist verantwortlich für den Bereich Publishing der Schweizer Business Software Plattform topsoft.

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