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Das Ende klassischer ERP-Software

[fa icon="calendar"] 22.02.17 10:19 / von Christian Bühlmann

Christian Bühlmann

Ist klassische ERP-Software am Ende?

Wie alles im Leben unterliegt auch ERP-Software einem steten Wandel. Dabei dreht sich das Rad der Zeit in der Informatik bedeutend schneller als in anderen Bereichen. Unternehmen, welche klassische ERP-Software einsetzen, können ein Lied davon singen: Wenn nicht gerade wieder ein Releasewechsel ansteht, ist bestimmt leistungsfähigere Hardware oder ein neues Betriebssystem fällig. Doch die Zeiten ändern sich. Das Ende der klassischen ERP-Modelle zeichnet sich ab. Blickt man zurück ins digitale ERP-Paläozoikum stösst man in den 1960er Jahren auf die ersten ernstzunehmenden Vorfahren der heutigen Systeme. Programmiert für den steigenden Planungsbedarf von Ressourcen waren die ersten Grashüpfer der Pionierära alles andere als handlich. In den 1970er setzte das ERP zum Siegeszug an und eroberte immer mehr Unternehmensbereiche. Einmal als Warenwirtschaftssystem (WWS), dann wieder als Produktionsplanungs-/steuerungssystem (PPS) wurde es zum digitalen Rückgrat von Unternehmen. Der Kampf um jeden Kunden wurde durch CRM-Anwendungen unterstützt, für Effizienzsteigerungen führte man unter anderem DMS-Applikationen ins Feld. Über die Zeit entstanden mächtige Applikationskolosse mit entsprechendem Leistungshunger, welcher nur durch immer gewaltigere Server befriedigt werden konnte.

Digitaler Kometeneinschlag verändert die Welt

Vor rund 25 Jahren schlug mit der Verbreitung des kommerziellen Internets ein digitaler Komet in die bisher friedliche Welt der ERP-Systeme ein. Die Druckwellen erschütterten die Anwendungen, welche sich in fest eingegrenzten Unternehmensmauern wähnten, nachhaltig. Die ersten Webshops offenbarten das Dilemma: Sie waren zwar Teil eines Unternehmens, befanden sich aber doch irgendwie ausserhalb. Der Kunde konnte Preise und Verfügbarkeit von Produkten abrufen, seine Bestellungen selber erfassen und auch gleich bezahlen. Grosse Handelsketten verlangten von ihren Lieferanten plötzlich, Auftragsdaten elektronisch direkt an ihr ERP zu senden. Neuartige Telefone tauchten auf, mit denen man nicht nur Anrufe tätigen konnte, sondern auch Daten empfangen und senden konnte. Es wurde sogar gemunkelt, dass man irgendwann Software aus der «Steckdose» beziehen könne.

Die Cloud wird konkret – auch für ERP-Software

Zugegeben, die Anfänge von Internet & Co. waren wenig berauschend. Doch die Welt war auf den Geschmack gekommen. Die Performance der Datenverbindungen war schon bald praxistauglich, die Telekomanbieter bauten wie verrückt an der Netzabdeckung, und auch die Hersteller mobiler Geräte waren alles andere als faul. Nach dem glücklichen Ausgang des Millenium-Infernos war der digitale Glaube kaum noch zu erschüttern. Auch eifrige Warner konnten nicht verhindern, dass sich mit «Applicaton Service Providing» (ASP) ein neues Betriebsmodell für ERP-Anwendungen breitmachte. Die langersehente Software-Steckdose war endlich Realität – und schon bald wieder abgehängt. Mit Cloud Computing entstand ein völlig webbasiertes Angebot, bei welchem sich x-beliebige Anwender eine Lösung teilen, wobei alle Daten streng voneinander getrennt sind.

Das entfesselte ERP sorgt für grenzenloses Arbeiten

Zum ersten Mal in der ERP-Geschichte sorgte nicht ein funktionaler Aspekt, sondern ein technologischer Paradigmenwechsel für Furore. Das ERP wurde von seinen Fesseln befreit und liess sich überall hin mitnehmen – nach Hause, in den Zug, ja sogar in die Ferien. Smart Working heisst heute die Devise. Neue Themen wie Datensicherheit, Hacking, Verfügbarkeit, Benutzerfreundlichkeit, Interoperabilität und Work-Life-Balance dominieren heute die Charts. Auf anfängliche Sicherheitsbedenken haben die Cloud-Anbieter mit professionellen Massnahmen reagiert. Nicht zuletzt deshalb werden immer mehr Transaktionen über das Internet abgewickelt. Das aus seinen (lokalen) Server-Fesseln befreite ERP schafft neue Dimensionen – nicht nur geografisch, sondern auch ökonomisch.

Wohin geht die Reise?

Hat das gute alte ERP ausgedient? Ja und nein. Von Funktionen wie Auftragserfassung, Bestandskontrolle, Bestellverwaltung usw. spricht kaum noch jemand. Eine integrierte Unternehmenslösung ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Deshalb verliert das ERP jedoch keineswegs an Bedeutung. Im Gegenteil! Mehr denn je ist es als «Enabler» für innovative Ideen gefragt. Ob in Zukunft noch jedes Unternehmen sein eigenes ERP braucht oder lediglich Leistungen einkauft, ist offen. Das Rad der Zeit dreht sich munter weiter und macht IT zu einer inspirierenden Kreativdisziplin für neue Geschäftsmodelle.

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Kategorien: SaaS, Allgemein, Cloud, ERP, CRM

Christian Bühlmann

Autor: Christian Bühlmann

Christian Bühlmann (*1964) ist seit 1989 im Bereich Business Software tätig. Während dieser Zeit hat er sich als Projekt- und Marketingleiter bei verschiedenen Softwareanbietern umfassende Kenntnisse des Schweizer IT-Markts erworben. Seit 2011 ist er als Chefredaktor eines Fachmagazins für Business Software tätig, publiziert regelmässig Beiträge über aktuelle IT-Themen und ist verantwortlich für den Bereich Publishing der Schweizer Business Software Plattform topsoft.

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